Dresden-Geschäftsführer Müller: „Unser Verein ist in seiner Existenz bedroht“


Zweitligist Dynamo Dresden ist zweifelsfrei ein ganz besonderer Verein. Tradition bringt häufig auch Popularität mit. Dresden bildet da bekanntlich keine Ausnahme und darf auf eine überragende Unterstützung durch die Anhängerschaft zählen. Einige wenige Chaoten jedoch unter den Fans sind in der Vergangenheit durch Krawalle und ein eklatantes Fehlverhalten aufgefallen, was sogar die Existenz des gesamten Vereins bedrohen könnte. Auch die jüngsten Ausschreitungen nach der 0:3-Auswärtsniederlage beim 1. FC Kaiserslautern haben die Diskussionen wieder weiter angeheizt.

Resignation ist sicherlich in diesem Zusammenhang der falsche Ratgeber. Dennoch muss auch konstatiert werden, dass der Verein schon enorm viel dagegen unternommen hat. Allerdings ohne Erfolg. Deshalb äußert sich ein mächtig enttäuschter Dynamo Geschäftsführer Christian Müller gegenüber „Sport1“ wie folgt: „Für uns ist das eine Katastrophe. Es beschämt uns und macht uns tief betroffen.“ Wie es denn nun tatsächlich weitergehen soll, ist derzeit noch absolut unklar, denn immer wieder kommt es zu diversen Fehlverhalten durch die so genannten Fans, die auch für den Ausschluss aus dem DFB-Pokal gesorgt haben. Über die Ereignisse in Kaiserslautern kann der umtriebige Müller folgendes berichten: „Für uns ist das eine Katastrophe. In der Kurve der Lauterer gab es zu Beginn Wunderkerzen - damit kann man gut leben. Bei uns waren es Fackeln und dicke Rauchschwaden. Nach dem Spiel haben sich fassungslos machende Übergriffe abgespielt. Das waren wohl Leute, die Dynamo Dresden zuzuordnen sind. Das beschämt unseren ganzen Verein sehr und macht uns tief betroffen.“

Ehrlich muss Müller zugeben, dass der Verein nicht mehr viele Mittel weiß, die für eine praktikable Lösung sprechen würden. Deshalb muss Müller ehrlich einräumen: „Im Augenblick müssen wir erkennen, dass wir der Lage nicht Herr werden. Dynamo tut - anders als in der Öffentlichkeit vermutet wird - sehr viel dafür, um mit den Fans in den Dialog zu treten. Das, was in Dortmund, in Hannover und nun in Kaiserslautern passiert ist, schadet dem Ansehen unseres Vereins in hohem Maße. Das führt die Arbeit von vielen Ehrenamtlichen und den Leuten in der Geschäftsstelle ad absurdum.“ Und sagt schwerwiegende Worte gegenüber „Sport1.de“: „Wir sind nicht weit davon entfernt, wir stehen am Scheideweg. Unser Verein ist in seiner Existenz bedroht.“ Auch wenn diese Worte durchaus hellhörig machen, so muss auch konstatiert werden, dass seine Angst berechtigt erscheint, denn die Probleme am Freitag in Kaiserslautern sind deutlich schlimmer gewesen als bisher angenommen, wenn Müller berichtet: „In Kaiserslautern ist es - nach allem was ich bisher weiß - nach dem Spiel zu unfassbaren Ausschreitungen gekommen. Das macht nachdenklich. Aber wie gesagt: Wir müssen das erst genauer analysieren.“

Ob in Dortmund, in Hannover oder nun in Kaiserslautern. Meistens sind diese Auswüchse an Gewalttätigkeiten nur bei Auswärtsspielen zu beobachten. Müller sieht einen möglichen Grund dafür, wenn er sagt: „Bei unseren Heimspielen haben wir größtenteils eine gute Situation. Es ist offenbar so, dass wir bei unseren Auswärtsspielen, vor allem in großen Stadien, ein Klientel anlocken, das nicht auf den Fußballplatz gehört. Das sind Kriminelle. Wir werden nun alle möglichen Schritte durchdenken, um diese Leute nicht mehr in unserem Block zu haben.“ Und er versucht diese „Chaoten“ zu beschreiben, die den Ruf von Dynamo Dresden in Verruf
bringen, wenn sie Pyrotechnik einsetzen oder sich zu Gewalttätigkeiten hinreißen lassen: „Wir wissen es nicht genau. Vielleicht sind es Leute, die wir von Dresden aus gar nicht erreichen. Exil-Dresdner - wie ich sie nenne - die irgendwann in die westlichen Bundesländer übergesiedelt sind. Oder es sind Leute, die gar nichts mit Dynamo im Sinn haben und den passenden Tummelplatz für Randale gefunden haben.“

Das Problem ist bekannt. Es gibt die neuesten, technischen Mittel. Dennoch gibt es trotz Videoüberwachung und trotz enger Mitarbeit mit den staatlichen Behörden keine Möglichkeit diese Verursacher zu identifizieren. Dies begründet der ehemalige DFL-Mann Müller: „Wir haben selbst dann Schwierigkeiten, die Täter zu identifizieren, wenn es gute Bilder gibt. Die ganze Strafverfolgung spielt uns dabei nicht gerade in die Karten. Wie auch immer. Fakt ist: Bei unseren Auswärtsspielen muss sich grundlegend etwas ändern. So geht es nicht weiter.“ Über konkrete Maßnahmen durch den Verein möchte er jedoch keine Einzelheiten nennen, denn: „Ich bitte um Verständnis. Ich will den Diskussionen, die wir in den nächsten Tagen haben werden, jetzt nicht vorgreifen.“

Dennoch sind sich auch einige Gedanken gemacht worden, damit auch die Polizei oder der DFB bei dieser existentiell wichtigen Problembewältigung hilfreich sein können: „Bei der Verabschiedung des Sicherheitskonzepts durch DFL und DFB haben wir gefordert, die Mitwirkung von Ordnern des Auswärtsvereins noch zu intensivieren und mit höherer Verbindlichkeit durchzuführen. In Kaiserslautern waren zehn Ordner aus Dresden dabei. Die durften allerdings nur eine beratende Rolle übernehmen. Die mussten teilweise mit ansehen, dass Dinge schief liefen, die sie selbst anders gemacht hätten. Wenn unsere Empfehlungen da noch ein besseres Gehör fänden, wäre das gut für uns.“ Und er nennt Gründe, warum eigene Ordner die Gewalt ein wenig eindämmen könnten: „Weil wir leider Erfahrung damit haben. Da braucht es eine intensivere Kontrolle als bei anderen Fans. Das Miteinander zwischen den Klubs müssen wir verbessern. Wenn man Täter identifiziert hat, brauchen wir Möglichkeiten, diese schneller mit einem Stadionverbot zu belegen oder sie darüber hinausgehend zu bestrafen. Der Schaden, der für Dynamo Dresden durch die Vorkommnisse rund um die Spiele entstanden ist, geht in den siebenstelligen Bereich.“

Definitiv werden die Erfolgsaussichten des sächsischen Traditionsvereins sich nun deutlich verschlechtern, dass auch realistisch in der nächsten Spielzeit am DFB-Pokal teilgenommen werden kann. Eine kleine Hoffnung hegt der umtriebige Christian Müller dennoch, wie er „sport1.de“ verraten hat: „Es war jedenfalls ein verheerendes Signal. Obwohl wir eigentlich glauben, gute Argumente dafür zu haben, nicht ausgeschlossen zu werden. Sicherlich werden aber Dinge anders zu betrachten sein, als es noch vor Freitag der Fall war.“


Informationen
Quelle: sport1.de
Autor: Henning Klefisch
Schlagworte: SG Dynamo Dresden; Müller; DFB-Pokal; 1. FC Kaiserslautern
Datum: 11.02.2013 19:09 Uhr
Url: http://www.2-liga.com/2liga/news-dresden-geschaeftsfuehrer-mueller--„unser-verein-ist-in-seiner-existenz-bedroht“-4108.html
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