MSV Duisburg: Die Leidensgeschichte des Julian Koch


Die Arbeit mit Physiotherapeuten ist für den 21-jährigen Defensivspieler Julian Koch in der letzten Zeit vielleicht ein wenig zuviel geworden. Was sicherlich auch nur allzu verständlich wäre, denn erst jüngst musste er eine schwere Knieverletzung auskurieren, die er wieder mit einem unbändigen Ehrgeiz hat überwinden können. Denn der Spieler des MSV Duisburg ist ein leidenschaftlicher Kämpfer, der sich auch durch Verletzungen nicht aus der Bahn werfen lassen möchte.

Eine Tugend, die er immer beherzigt, ist die des Kämpfens, denn unter keinen Umständen möchte er seinen Traumberuf Fußballprofi vorzeitig aufgeben müssen. Sein Ehrgeiz ist enorm, wie er gegenüber „rp-online.de“ nicht verhehlen kann, wenn er sagt: „Mich zu bremsen, fällt ziemlich schwer.“ Seine Krankenakte ist von der Länge mit einem Dostojewski-Buch vergleichbar, denn in den letzten drei Jahren waren unterschiedliche Verletzungen ein treuer Begleiter für ihn, der sich sogar mit den Gedanken an eine mögliche Bein-Amputation herumschlagen musste. Erst 21 Jahre alt ist der Verteidiger, der nach einer verletzungsbedingten Pause von 20 Monaten nun auf sein langersehntes Comeback wartet. Am kommenden Freitag ist der MSV Duisburg nun also beim 1. FC Köln zu Gast und dieses emotionale Westderby würde sich als Wiedereinstieg in die Startformation hervorragend eignen, da Koch nach seinem Comeback im Spiel gegen den FSV Frankfurt sein eigenes Befinden positiv bewertet, wenn er angibt: „Ich fühle mich gut.“

Um konkret auf seine Verletztengeschichte einzugehen, muss man einen Blick in die Anatomie wagen können, denn neben einem Außenbandriss musste er vor allem auch einen Kreuzbandriss hinnehmen, der ihn massiv zurückgeschmissen hat und für die Entwicklung sich als absolut kontraproduktiv erwiesen hat. Beim MSV war er ein absoluter Hoffnungsträger und Publikumsliebling und konnte mit starken Leistungen sogar bei seinem Stammverein Borussia Dortmund Eigenwerbung betreiben, wo er von Cheftrainer Jürgen Klopp sogar das Potential für Champions League-Spiele zugesprochen bekommen hat.

Viel hat er mitmachen und erleiden müssen. So hat erst eine Notoperation dafür sorgen können, dass eine mögliche Amputation verhindert werden konnte. Ein Kompartmentsyndrom war Schuld daran, dass sogar der Verlust des Beines in Betracht gezogen werden musste. Im Rückblick erklärt dazu Koch: „Es gab massive Durchblutungsstörungen im Oberschenkel, nur durch eine Not-Operation ko
nnte vermieden werden, dass das Bein abgenommen werden musste.“ Auch deshalb war eine Operation erst einige Monate später möglich, weshalb er sich kurze Zeit später auch erneut zu seinem Wohlfühlverein MSV Duisburg ausgeliehen worden ist. Am Saisonbeginn gab es mit der Meniskusoperation eine Lappalie, wenn Kochs vorherigen Verletzungen betrachtete. Dies macht er auch verbal deutlich, wenn er sagt: „Das war im Vergleich aber nur eine Kleinigkeit.“ Unglaubliche 616 Tage Leidenszeit musste er überstehen, bis er am letzten Spieltag gegen den FSV Frankfurt wieder mitkicken konnte und beim Zweitliga-Schlusslicht eingewechselt worden ist.

Trotz der enttäuschenden Heimniederlage gegen den hessischen Kontrahenten konnte MSV-Trainer Kosta Runjaic dennoch etwas Positives erkennen, wenn er auf den langerhofften Einsatz von Julian Koch im „Zebra-Trikot“ zu Sprechen kommt: „Wenn es bei uns etwas Positives gibt, dann ist es Jule. Er hat die Zweikämpfe angenommen und sie ausgehalten.“ Runjaic ist nun dazu angehalten, dass Koch in Ruhe arbeitet und seinem Körper nicht zuviel zumutet. Der ambitionierte Defensivakteur hingegen sieht dies etwas anders, wenn er gegenüber „rp-online.de“ erklärt: „Je öfter das Knie im Zweikampf hält, desto mehr Selbstvertrauen bekomme ich.“ Und wird konkreter: „Auch im Training knalle ich immer voll dazwischen. Nur das bringt mich weiter.“
Es ist angedacht, dass er schon im kommenden Sommer zu seinem Stammverein Borussia Dortmund zurückkehren wird. Sein schon lange Zeit geplantes Comeback in der Champions League soll dann endlich praktiziert werden. Priorität genießt bei ihm jedoch ganz klar der Sprung mit seinem MSV raus aus der Abstiegszone, denn mit einem Zweitliga-Abstieg möchte sich der sympathische Blondschopf keinesfalls aus Duisburg verabschieden. Ein kleiner Zufall spielt auch noch mit, dass er am 22. Dezember 2010 seinen letzten Pflichtspieltreffer gerade gegen den kommenden Gegner 1. FC Köln erzielen konnte.


Informationen
Quelle: www.rp-online.de
Autor: Henning Klefisch
Schlagworte: MSV Duisburg; Koch; Runjaic
Datum: 07.11.2012 20:54 Uhr
Url: http://www.2-liga.com/2liga/news-msv-duisburg--die-leidensgeschichte-des-julian-koch-2738.html
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