Paderborn-Präsident Finke: „Vielleicht passt Naki von der Mentalität nicht zu uns“


Paderborn-Präsident Finke: „Vielleicht passt Naki von der Mentalität nicht zu uns“
Bild: dfb.de
Auch beim Zweitligisten SC Paderborn 07 wird sich das Personalkarussell munter weiter drehen. Dies gilt nicht nur für den Spielerkader, sondern auch im Trainer- und Betreuerstab. Athletik-Trainer Tobias Stock hat sich dazu entschieden, dass er seinen auslaufenden Vertrag um zwei weitere Jahre bis zum 30. Juni 2015 verlängern wird. Torwarttrainer Frederik Gößling sucht hingegen eine neue Herausforderung bei Bundesliga-Absteiger SpVgg Greuther Fürth. Chef-Trainer Stephan Schmidt und sein Assistenztrainer Asif Saric sind noch mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2014 ausgestattet.

Athletiktrainer Stock verlängert bis 2015
Gemeinsam mit Chefcoach Roger Schmidt ist Stock vor der Spielzeit 2011/12 zum SCP gewechselt. Schmidt ist mittlerweile bei RB Salzburg. Stock hingegen blieb und hat bereits Erfahrungen bei Preußen Münster als Athletik-Trainer sammeln können. Auch bei Schmidt-Nachfolger Stephan Schmidt hat er eine eminent wichtige Funktion übernommen, was auch Paderborns-Manager Michael Born gegenüber der „Neuen Westfälischen“ deutlich macht: „Tobias ist ein wertvoller Bestandteil unseres Trainerteams. Mit seinen fundierten Kenntnissen im Athletikbereich bereichert er den Trainingsbetrieb und sorgt für überschaubare Rekonvalenzzeiten verletzter Spieler.“ Und er drückt seine Zufriedenheit in Worten aus: „Wir sind froh, dass wir die Zusammenarbeit mit ihm fortsetzen können.“

Born bedauert Gößling-Abschied
Gößling hat sich hingegen für ein neues Engagement bei Greuther Fürth ausgesprochen. Dort ist er mit einem Einjahresvertrag als Torwarttrainer ausgestattet worden. In seiner Zeit als aktiver Keeper hat er das Tor von Arminia Bielefeld, Preußen Münster und den VfL Osnabrück gehütet. Born zeigt sich ein wenig enttäuscht über diesen Abgang: „Wir bedauern den Weggang von Freddy, der bei uns sehr gute Arbeit geleistet und unsere Torleute weiterentwickelt hat. Nun werden wir uns zeitnah um seine Nachfolge kümmern. Dabei befinden wir uns bereits in guten Gesprächen.“

Deutliche Finke-Worte
Eine zweifelsfrei extrem wichtige Rolle hat Präsident Wilfried Finke bei den Paderbornern. Es scheint fast so zu sein, als wenn ohne den 62-jährigen Möbel-Unternehmer beim immer noch abstiegsgefährdeten Team nicht mehr allzu viel gehen würde. Im Gespräch mit dem „Westfalen-Blatt“ hat Finke sich zu verschiedenen Themen geäußert und wählt fast schon traditionell deutliche Worte.

„Das lasse ich mir durch Naki nicht kaputt machen“
Im letzten Heimspiel gegen den VfR Aalen ist Deniz Naki mit einer Roten Karte bestraft worden, wodurch er nun für zwei Spiele ausfallen wird. Finke wählt deutliche Worte, wenn er auf diesen Spieler angesprochen wird: „Ich habe von Naki noch nicht die Leistung gesehen, die er beim FC St. Pauli gebracht hat. Am Sonntag gegen Aalen und in den beiden Spielen gegen Pauli hat er ganz ordentlich gespielt, der Rest war unterdurchschnittlich. Deshalb ist es relativ egal, ob er spielt oder ein anderer.“ Und er wird noch drastischer, wenn es um die Bewertung des Deutsch-Türken geht. Sogar einen Rauswurf möchte er nicht mehr ausschließen: „Für mich ist es ein gravierender Unterschied, ob ein Spieler auf dem Feld aufgrund eines Foulspiels die Rote Karte sieht oder auf der Trainerbank. Das sollte in unserem Klub nicht vorkommen, das ist kein gutes Aushängeschild. Aber vielleicht passt Naki von der Mentalität nicht zu uns. Die Verhaltensweise, die er am Sonntag an den Tag gelegt hat, brauche ich jedenfalls nicht in Paderborn. Wir sind ein Klub, der in den vergangenen Jahren dadurch aufgefallen ist, dass er einwandfreie Sportler und Charaktere unter Vertrag hat. Das lasse ich mir durch Naki nicht kaputt machen.“

Finkes Ärger über Aalen-Spiel
Möglicherweise rührt seine negative Stimmung auch vom 2:2-Unentschieden gegen den VfR Aalen nach einer scheinbar beruhigenden 2:0-Führung. Dennoch möchte er ein wenig mehr Realismus predigen, da er zumindest zeitweise eine beachtliche Vorstellung seiner Kicker beobachten durfte: „Es war nicht alles schlecht. Jens Wemmer und Mario Vrancic hätten am Sonntag sogar in der 1. Liga spielen können. Das war bis zur 70. Minute überragend, dann ging beiden die Puste aus. Ich fand auch, dass die gesamte Mannschaft in der ersten Hälfte ein sehr gutes Spiel gemacht hat. Aber eine Hälfte reicht nicht. Schon gar nicht, wenn wir nicht clever spielen. Nur ein Beispiel: Beim Wechsel von Markus Palionis für Philipp Hofmann in der Schlussminute hatten wir für ein paar Sekunden zwei unserer besten Kopfballspieler nicht auf dem Feld. Das muss zumindest ein Spieler erkennen, sich vor den Ball stellen und damit verhindern, dass die Aalener ihren Freistoß ausführen können, solange Palionis nicht in Position ist.“

„Das ist für mich ein Zeichen von Willen, aber auch ein Zeichen der körperlichen Verfassung“
Auch wenn ein Vergleich mit Borussia Dortmund in vielerlei Hinsicht ein wenig hinkt, sieht er ein wenig Optimierungsbedarf hinsichtlich der Personalentscheidungen. Mehr Mut zum Risiko wäre seine Devise gewesen: „Wenn Jürgen Klopp so etwas in Dortmund macht, pfeifen 80000 Zuschauer. Der BVB will mit aller Macht seine Heimspiele gewinnen. Genau das möchte ich in Paderborn auch und deshalb hätte ich mir gewünscht, dass wir offensiv wechseln. Zumal unsere Stürme
r in der letzten Viertelstunde bewegungsunfähig waren. Da hatten wir nichts mehr anzubieten und das war für eine Heimmannschaft schon fast peinlich.“ Die Schlussphase sieht er als klares Manko an: „Ich will es mal so formulieren: Ich habe Verständnis dafür, wenn die Jungs ab der 70. Minute körperlich am Ende sind. Aber in der 1. Liga wird auch ähnlich trainiert, da stehen auch nicht mehr Einheiten auf dem Plan. Aber Borussia Dortmund marschiert trotzdem 90 Minuten. Das zeigt: Wir müssen noch ein bisschen mehr tun, um auch in den Schlussphasen noch in der Lage zu sein, ein Spiel zu drehen. Das haben wir in der gesamten Saison nur einmal geschafft. Das ist für mich ein Zeichen von Willen, aber auch ein Zeichen der körperlichen Verfassung. Aalen konnte in der Schlussphase immer noch zusetzen, wir nicht.“

Fitnessprobleme sind nicht Schuld an der Schlussphasenmisere
Dennoch sieht er nicht explizit ein Fitnessproblem bei seinen Schützlingen, da er über die körperlichen Werte Bescheid weiß: „Ich kenne die Fitnesswerte der Spieler und die sind auch sehr gut. Aber Fitness und Wille gehören für mich zusammen. So spielt es sich für mich in erster Linie auf mentaler Ebene ab, ob ich mich in den letzten 20 Minuten noch quälen will und ob wir alle gemeinsam den unbedingten Siegeswillen aufbringen. Ob wir da stark genug sind, kann ich nicht so richtig rausfiltrieren. Da muss ich noch ein paar Gespräche führen. Nur eins weiß ich: Das Spiel gegen Aalen hätten wir unter normalen Umständen klar gewinnen müssen.“ Gezielt übt er jedoch wieder Kritik an der Arbeit von Coach Stephan Schmidt, wo er offen von fehlenden Automatismen spricht: „Wenn solche Spiele am Anfang der Saison so gelaufen wären, dann wäre ich zufrieden gewesen. Dann hätte sich gesagt: Wir haben eine neue Mannschaft, da kann so etwas passieren. Wir haben jetzt aber Spieltag 31 und noch immer keine eingespielte Mannschaft. Es gibt keine Automatismen und deshalb passen bei uns weder die Laufwege noch die Abschlussquote.“

Torgefährlichkeit als klares Manko
Auch die Torgefährlichkeit macht nicht unbedingt große Hoffnung, denn Paderborns bester Torschütze Philipp Hofmann hat gerade einmal sieben Treffer erzielen können. Hinzu kommt die Tatsache, dass Hofmann wahrscheinlich den Verein am Saisonende verlassen wird, da er nur ausgeliehen ist. Finke hat dazu folgende Meinung: „Vor drei Jahren machte ein Mahir Saglik für uns allein 15 Tore, Daniel Brückner neun. Brückner hat als Offensiver in dieser Saison erst einmal getroffen. Dabei ist er ja kein schlechterer Fußballer geworden, aber ihm fehlt auch diese Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und das nötige Selbstvertrauen. Auch da macht sich bemerkbar, dass diese Mannschaft nicht eingespielt ist. Leider haben wir uns im Torabschluss zum Teil auch zu dusselig angestellt. Wir hatten genug Chancen, wir haben nur zu oft im richtigen Moment das Falsche gemacht. Aber die Saison ist noch nicht zuende. Wir spielen noch in Dresden und Duisburg, 1860 München kommt noch nach Paderborn. Wir haben also noch die Chance Achter zu werden. Wenn uns das gelingt, bin ich zufrieden.“

„Ich habe sehr viel Verständnis für die Situation, in der Stephan Schmidt steckt“
Ein Abschied von Trainer Schmidt sieht er auf den ersten Blick nicht auf sich zukommen: „Der hat einen Vertrag und wir sind sehr vertragstreu.“ Und er findet auch lobende Worte, die sicherlich noch massiver ausfallen würden, wenn die restlichen drei Spiele siegreich gestaltet werden sollten: „Ich habe sehr viel Verständnis für die Situation, in der Stephan Schmidt steckt. Unser Trainer hat im Sommer, mitten in der Vorbereitung, eine Mannschaft übernommen, die acht Leistungsträger an höherklassige oder besser situierte Vereine verloren hat. Jeder andere Zweitligist würde gegen den Abstieg spielen. Deshalb gilt: Wenn wir am Ende noch Achter werden, ist alles gut.“ Und er stellt auch klar, dass ein personeller Umbruch bevorsteht: „Die neue Saison müssen wir unter völlig anderen Vorzeichen betrachten. Bei mir wachsen Spieltag für Spieltag die Erkenntnisse, wo wir etwas tun müssen, um nächstes Jahr ein Stückchen besser zu werden. Deshalb werden wir uns auf ein paar Positionen neu orientieren und darum werden sich Manager Born und meine Wenigkeit jetzt kümmern.“ Zugleich geht er davon aus, dass das morgige Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden nicht verloren wird, wie er dem „Westfalen-Blatt“ verraten hat: „Ich schaue nicht nach unten. Wir sind personell ein Stück besser besetzt und deshalb bin ich überzeugt davon, dass wir mindestens einen Punkt mitnehmen.“ Schon mit einem Punkt gegen den derzeitigen Relegationsteilnehmer aus Dresden wäre der Klassenerhalt für die Paderstädter so gut wie sicher.


Informationen
Quelle: westfalen-blatt.de ; nw-news.de
Autor: Henning Klefisch
Schlagworte: SC Paderborn; Schmidt; Born; Finke; Saglik; Naki; Brückner; Hofmann
Datum: 02.05.2013 15:53 Uhr
Url: http://www.2-liga.com/2liga/news-paderborn-praesident-finke--„vielleicht-passt-naki-von-der-mentalitaet-nicht-zu-uns“-5312.html
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