1860 München: Wieviel Investor verträgt der Verein?


Traditionsvereine, wie der TSV 1860 München, haben bekanntlich die ganz bestimmte Eigenschaft, dass gewisse Thematiken auffällig hektisch begutachtet werden. Deshalb schlägt der mediale Streit zwischen Investor Hasan Ismaik und 1860-Präsident Schneider auch solch hohe Wellen, da Emotionen bei den „Löwen“ garantiert sind. Die Frage muss erlaubt sein, wieviel Einfluss ein Geldgeber auf die Vereinspolitik nehmen darf. Für den deutschen Fußball ist das Modell 1860 München sicherlich ein sehr gewagtes Projekt.

Grund dafür ist, dass es im deutschen Fußball keine ausländischen Investoren gibt, da die Satzung 50 + 1 dies bisher verboten hat. Auch wenn dadurch weniger Geld im deutschen Fußball steckt, wenn man eine Vergleich mit den Ligen in England, Spanien und neuerdings auch Frankreich hinzuzieht, so muss auch konstatiert werden, dass diese wirtschaftliche Vernunft definitiv als der richtige Weg erscheint. Im konkreten Fall von Ismaik geht es um die Machtbefugnisse, die sogar soweit gehen, dass der Cousin von Ismaik Noor Basha sich zu einem Urteil zu einem Spieler hinreißen lässt. So kritisiert er den bisher so enttäuschenden Hoffnungsträger Ismael Blanco scharf, indem er sagt: „Was macht Blanco? Nichts. Also stimmt was mit dem Plan nicht.“
Der Argentinier Blanco, der vor Saisonbeginn vom polnischen Spitzenklub Legia Warschau verpflichtet worden ist, soll den Verein schon in der Winterpause verlassen. Deshalb hat ihn 1860-Präsident Dieter Schneider auch nicht mit freundlichen Worten zum Neujahr bedacht. Stattdessen äußerte sich der zuletzt von Ismaik heftig kritisierte Schneider, dass er sich noch einmal mit dem jordanischen Investor zusammensetzen möchte, um die Dissonanzen aus der Welt zu schaffen.
So äußerte sich Schneider dazu: „Es wird ja hier der Eindruck erweckt, da sitzt ein Investor mit einem prallen Geldsack und einer fertigen Strategie, wir hingegen sind die großen Blockierer.“ Und nannte konkret den gemeinsamen Weg, der zusammen mit dem Investor eingeschlagen worden ist: „De facto ist es so, dass wir gemeinsam einen Dreijahresplan mit Kostenreduzierungen auf den Weg gebracht haben, die der Partner überhaupt erst angestoßen hat. Herr Ismaik ist doch selbst Kaufmann.“ Auch fügte Schneider hinzu, dass die folgenden Entscheidungen „in direkter Abstimmung mit Herrn Ismaik geschehen. Er ist auch über die Spielerverpflichtungen stets informiert worden und hätte immer
sagen können: ,Halt bitte! So will ich das nicht'.“
Ismaik hingegen ist mit der bisherigen Saisonbilanz des TSV 1860 sehr unzufrieden und wollte sogar seinen Freund Sven-Göran Eriksson als neuen Trainer bei den „Blauen“ installieren. Der Glamour und der sportliche Erfolg sollte in die spärlich besetzte Allianz Arena Einzug halten. Der Aufstieg in die Beletage des deutschen Fußballs, die Bundesliga, ist das erklärte Ziel von Ismaik, der auch „frisches Blut“ in Form von neuen Spielern als absolut wichtig erachtet. Er wollte seinen Geldbeutel ein wenig weiter öffnen. Allerdings hat sich die Löwen-Führung sowohl gegen eine Trainertätigkeit vom Schweden Eriksson als auch gegen weitere Neuzugänge ausgesprochen. Harsch war auch die Bezeichnung von Ismaiks Bruder Abdel Rahman, der den derzeitigen Trainer Alexander Schmidt sogar nur als „Übergangstrainer“ bezeichnete.
Sehr gerne möchte der jordanische Investor seine Investitionen noch weiter ausbauen. Allerdings konnte er noch kein schlüssiges Finanzierungskonzept vorlegen. Nach Informationen aus gut unterrichteter Quelle hat Ismaik den Plan gefasst, dass er die KgaA noch weiter verschulden möchte, was alles andere als ein seriöses Wirtschaften darstellt. Ismaik hat mächtig Vertrauen bei Verantwortlichen und Fans eingebüßt, auch wenn es eine erhebliche Abhängigkeit zum Geschäftsmann gibt. Fakt ist jedoch auch, dass der Jordanier nicht einmal die im Sommer zugesagten Darlehen für die kommenden zwei Jahre gezahlt hat. Damit hatte die Geschäftsführung gerechnet. Dadurch sollten ursprünglich auch die sechs Neuzugänge finanziert werden. Nun muss geschaut werden, inwiefern wieder Vertrauen aufgebaut werden kann. Vielleicht können sich die beiden Streitparteien in einem klaren Gespräch so konstruktiv austauschen, dass für den gemeinsamen Erfolg gearbeitet werden kann. Der Verein sollte als oberste Maßgabe gelten.


Informationen
Quelle: www.sueddeutsche.de
Autor: Henning Klefisch
Schlagworte: TSV 1860 München; Schmidt; Ismaik; Blanco; Schneider
Datum: 07.01.2013 20:06 Uhr
Url: http://www.2-liga.com/2liga/news-1860-muenchen--wieviel-investor-vertraegt-der-verein--3499.html
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